Offene Tür im Jugendstil-Atelierhaus von Hedwig Scherrer in
Das Jugendstil-Künstlerhaus in Montlingen wurde in den Jahren 1906 bis 1908 von der St.Galler Kunstmalerin und Philanthropin Hedwig Scherrer (1878 bis 1940) nach eigenen Plänen erbaut. Es ist ein Gesamtkunstwerk, das im Inneren mit zweckmässigen Einbauten, Möbeln und bemerkenswerten Wandmalereien überrascht.
Am Wochenende des 14. und 15. November öffnet das Haus seine Türen für das interessierte Publikum. Mit Führungen oder selbständig kann das von der Künstlerin bis ins Detail durchdachte Gebäude besichtigt werden. Eine aussergewöhnliche Möglichkeit, da es normalerweise privat bewohnt und nicht zugänglich ist.
«Nun weiss ich’s – hier ist meine Heimat. Ich bin in einer Seligkeit, so als ob ich den Menschen gefunden hätte, der ganz zu mir gehört, so sehr löst dieses Land alles in mir aus», schreibt Hedwig Scherrer begeistert an eine Freundin. Sie liebt die Rheintaler Landschaft, die oft Sujet ihrer Gemälde ist. Und als begeisterte Bergwanderin und Skifahrerin erkundet sie von hier aus die Umgebung.
Hedwig Scherrer (1878 bis 1940) wuchs in Sulgen TG und St.Gallen auf. Sie war eine der ersten professionell ausgebildeten Künstlerinnen in der Schweiz. In St.Gallen besuchte sie 1894 die Zeichnungsschule des Industrie- und Gewerbemuseums (heute Textilmuseum). Einer ihrer Lehrer war Emil Hansen, der später als Emil Nolde berühmt wurde. Danach lernte sie an der Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins und schloss 1900 ihre Ausbildung in Paris ab.
Sie arbeitete als Illustratorin und Malerin. Das künstlerische Werk umfasst Landschaften, Porträts und Miniaturmalerei und zeigt Anklänge an den Jugendstil und den Symbolismus. Mit ihrem ganz besonderen Humor hielt sie ihr Leben, ihre Erlebnisse und Missgeschicke und vor allem ihr Verhältnis zum Vater Joseph Anton Scherrer, der sie zeitlebens unterstützte, in amüsanten Karikaturen fest.
Das kleine Atelierhaus am Montlinger Bergli entwarf und baute die Künstlerin mit Unterstützung des befreundeten St.Galler Architekten Salomon Schlatter (1858-1922, Schöpfer des bekannten Stadtmodells im Kulturmuseum St.Gallen). Es ist bis ins Detail auf die Bedürfnisse der Künstlerin ausgerichet. Im Zentrum steht das Atelier mit einem grossen Nordfenster. Auch das Klavier der begeisterten Pianistin und Komponistin steht hier.
Bei ihrem Tod vermachte Hedwig Scherrer das Montlinger Atelierhaus und ihren Nachlass der St.Galler Künstlerschaft. Heute wird ihr Vermächtnis von der Hedwig Scherrer-Stiftung betreut. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, das Leben und das Werk der Künstlerin zu erforschen und zu erhalten. Sie liess das Haus 1990 renovieren. Seit einigen Jahren wird es an Private vermietet.
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